Hazel Grace – it’s a metaphor!

Kennt ihr das noch? Wie sie damals förmlich ausgerastet sind, wenn jemand diesen einen Satz gesagt hat und jeder »The Faults in Our Stars« gelesen hat – kennt ihr das noch?

Ich war damals in der 9.Klasse, als ich das erste Mal dieses heiß gelobte Buch in den Händen gehalten habe. Es war Sommer und warm, das Ende des Schuljahrs war nah und ich hatte ein einwöchiges Praktikum in einer privaten Buchhandlung und am Ende hab ich genau dieses Buch geschenkt bekommen bzw. ich durfte mir eins aussuchen und hab mich dafür entschieden. Den gleichen Nachmittag und den darauffolgenden Tag hab ich damit verbracht dieses Buch im Garten zu lesen und mich dabei so richtig in die Hauptfiguren verknallt!

Hazel Grace Lancaster – sarkastisch, intelligent und ein bisschen melancholisch.

Die Hauptfigur von John Greens Bestseller ist eine belesene junge Frau, die manchmal unglaublich trocken sein kann.
Aber wenn mit 13 Jahren Schilddrüsenkrebs bei dir festgestellt wird und dann – weil man hat ja noch nicht genug zu tragen hat – auch noch Metastasen in die Lunge kriechen und du nur noch mit Philipp der Sauerstoffflasche leben kannst – dann kannst du ja nur trocken sein. Hält man das anders überhaupt aus?

86 Hazel Grace LancasterHazel Grace Lancaster – ihres Zeichens 17 Jahre alt hat kurze dunkelbraune Haare , einen Bubischnitt – laut eigenen Aussagen typisch für Menschen, die sich von einer Chemotherapie erholen. Immer unterwegs mit Sauerstoffflasche und Schlauch unter der Nase, mit grünen Augen und süßen chubby Wangen.

»Einsame, tendenziell pädophile Schaukel sehnt sich nach Kinderpopos.«, sagte ich.
Er lachte. »Deswegen.«
»Was?«»Deswegen mag ich dich. Ist dir klar, wie selten man einem scharfen Mädchen begegnet, das das Wort pädophil in seine adjektivischen Bedeutung korrekt verwenden kann? Du bist so vertieft darin, du zu sein, dass du keine Ahnung hast, wie absolut nie da gewesen du bist.«
– »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« von John Green, S. 116

85 Hazel Grace LancasterAußerdem trägt sie gerne Jeans und Chucks und ist bisweilen ein bisschen depressiv, denn das ist schließlich eine Nebenwirkung von Krebs.
Wohl eher vom Sterben, stellt uns Hazel jetzt richtig und ja da hat sie recht.

Hazel ist sarkastisch, nüchtern und realistisch auf der einen Seite, aber kann auch sehr leidenschaftlich sein, wenn sie von ihrem Lieblingsbuch redet.
Denn Peter von Houten hat etwas geschrieben, das so genau widergibt, wie man sich fühlt, wenn man mit 13 Jahren an Krebs erkrankt. In Hazels Augen sind Krebsbücher immer Mist, weil sie einfach nicht realistisch vermitteln, wie es nunmal ist, die Diagnose Krebs zu bekommen. Doch Peter van Houtens Roman »Herrschaftliches Leiden« hat Hazel so sehr zugesagt, dass sie es schon mehrmals gelesen hat und es auch immer wieder gerne tut., denn er hat beschrieben wie es ist zu sterben, ohne wirklich zu sterben.

Hazel Grace hat eine starke Meinung, kann zu fast allen Sachen dieser Welt etwas sagen und es klingt nie kopiert oder nachgeplappert.
Sie hat, obwohl das Leben bis dato noch nicht wirklich fair zu ihr war, ein so großes Herz: sie ist enorm darum bemüht, niemanden zu verletzen oder zumindest so wenig Menschen wie möglich zu verletzen und deswegen möchte sie nicht so viel Zeit mit anderen Menschen verbringen, nicht dass es dann ganz schnell zu Ende geht und diese Menschen dann getroffen werden von den Splittern der Grante, als die sie sich sieht.

Anders sieht das natürlich aus bei ihren Eltern, bei denen sie ja nunmal fast keine andere Wahl hat. Hazels Eltern bemühen sich so verdammt darum, dass ihre Tochter leben kann und sie selbst sein kann und sein kann.
Das sind wirkliche Terminator-Eltern!
Hazel sagt, dass es nur eine Sache gibt, die schlimmer ist, als als Kind die Diagnose Krebs zu bekommen und das ist, wenn dein Kind die Diagnose Krebs bekommt. Genau das machen ihre Eltern durch. Ihre Mutter ist besser informiert, als so mancher Arzt und ist im Grunde eine Vollpflegekraft für ihre Tochter. Sie möchte, dass ihre Tochter weiter kämpft und ist bisweilen auch entmutigt, wenn sie sieht, dass ihre Tochter nur noch passiv auf die Mutation einschlägt.

»Was noch? Sie ist wunderschön. Man wird einfach nicht müde, sie anzusehen. Man hat nie Angst, dass sie vielleicht schlauer ist, als man selbst: Man weiß einfach, dass sie es ist. Sie ist lustig, ohne je gemein zu sein. Ich habe so ein Glück, sie zu lieben, Van Houten. Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, alter Mann, aber man kann ein bisschen mitbestimmen, von wem. Ich bin glücklich mit meiner Wahl. Ich hoffe, sie auch.«
Ich auch Augustus.
Ich auch.

Diese Passivität und Lethargie hat ihre Mutter auch schlussendlich dazu bewegt, dass sie Hazel zur Selbsthilfegruppe schickt, im Herzen Jesu, bei der sie dann auch den einzig wahren Augustus Waters kennenlernt.
Augustus ist attraktiv und auch interessant für Hazel, aber auch wie bei anderen Menschen, möchte sie nicht, dass er verletzt wird und hält ihn deswegen auf Abstand.

Mit Augustus kann sie reden, bis tief in die Nacht – über Bücher, Musik, Filme und die Welt. Zwischen den beiden ist nichts unangenehmes, kein Durck – kein Drama.

Hazel ist grundsätzlich ziemlich introvertiert, aber auch abgeklärt und genau das ist ihr Selbstbewusstsein. Sieist stolz darauf, nicht zu wissen, was cool ist.

Hazel Grace Lancaster, lange Zeit eine meiner Lieblingsprotagonistinnen aus dem Contemporarygenre – sarkastisch, nüchtern und warmherzig.

Böse Zungen sagen jetzt, dass dieses Buch überhypt wurde, nur zwei depressiv sarkastische, krebskranke Kinder pseudotiefsinnige Gespräche führen und SickLit grauenvoll überdramatisiert ist.

Ja, ja und ja. Aber »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« von John Green hat gezeigt, dass SickLit nicht überdramatisiert sein muss, sondern auch ironisch und verzerrt sein kann, wie das Leben eben. Gus und Hazel sind natürlich pseudotiefsinnig, schließlich sind sie 17/18 und haben beide schon dem Tod ins Auge gesehen, aber auch der anderen Seite sind sie auch einfach nur tiefsinnig und das pseudo können wir getrost weglassen.
Der Hype war da, aber irgendwo auch gerechtfertigt.
Ich hab nicht geweint, aber war berührt, von solch einem Leben und von einer Liebe, die sich natürlich anfühlt für eine Buchliebesgeschichte.

Wie fandet ihr »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«? Habt ihr es überhaupt gelesen? Wie empfindet ihr Hazel? Ist sie euch sympathisch? Was haltet ihr von sarkastischen Hauptfiguren? Und wie findet ihr SickLit? – Lasst es mich wissen!

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12 Gedanken zu „Hazel Grace – it’s a metaphor!

  1. Ich würde das Buch nicht als bestes Buch aller Zeiten beschreiben (das ist für mich bisher Markus Zusaks „Die Bücherdiebin“ – das bringt mich immer noch jedes mal zum weinen #Leseempfehlung), aber mir hat es sehr gut gefallen, auch wenn ich es erst – ich glaube – zwei Jahre nach dem riesen Hype und auch erst nachdem ich den Film geschaut hatte, gelesen hab. Gerade in Galgenhumor, Sarkasmus und Einstellung zum Tod der beiden habe ich mich oft wiedererkannt, denn das ganze lässt sich von Bedrohung durch Krebstod recht gut auf andere Situationen übertragen.

    Übrigens, eine für vier lohnt sich ebenfalls! #Leseempfehlung2

    Danke für die tolle Rezension:)

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    • Beides ausgezeichnete Bücher, aber eben auch total verschieden.
      Hab das Buch direkt nach Erscheinung gelesen und hab es auch lange Zeit als eines meiner absoluten Lieblingsbücher bezeichnet.
      Bin mir immer nicht sicher, ob „Eine für Vier“ nicht schon ein bisschen zu Teenie für mein jetziges Alter ist. Vielleicht wenn es mir irgendwann in die Hände fällt.
      By the way keine Rezension, vielmehr eine Liebeserklärung an Hazel Grace 🙂
      Liebe Grüße Itchy

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      • Also ich lese eine für vier immer noch gerne, und ich bin inzwischen 21:D
        Allerdings ist es glaube ich was anderes, wenn man quasi Jugenderinnerungen damit verbindet.. Meine Mama hat es mit 50 oder so aber auch noch gern gelesen:)

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  2. Pingback: APRIL 2017 | freigedichtung

  3. Da kann ich allthestorysaretrue nur beipflichten, dein Beitrag ist grandios nur das Buch ist nicht so mein Geschmack. Da sind mir dann doch zu viele Klischées drinn… Zumindest für Krebsbücher und Teenie. Dabei habe ich Buch noch nicht einmal selbst gelesen, sondern quasi von meiner gesamten Klasse vorgelesen bekommen

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    • Awww Dankeschön 🙂
      Bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht mit meiner heutigen Sicht auf die Dinge, das Buch auch schneller abstempeln würde. Damals mit 15 (schon 4 Jahre her, ach du heiliger!) fand ich es erfrischend. War da aber auch nicht so im Genre Jugendbuch/SickLit drin. Es gibt auf jeden Fall bessere Bücher, aber auch schlechtere.
      Von der gesamten Klasse? Faszinierend! So jeder liest ein Kapitel und mag geht durch die Reihen? Im Unterricht oder privat?

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      • Eher in Pausen… 😀 Ich war auch nicht freiwillig involviert. Dialog lief ungefähr so ab:

        „Ich zeig dir jetzt, warum ‚The Fault in our Starts‘ das Beste Buch aller Zeiten ist“: (Zitier…….)

        Das ganze hat sich dann über Wochen, über verschiedene Leute hinweg gezogen und von Buchbloggern etc. bekommt man dann ja auch noch einiges mit.

        Eine für Vier fand ich damals genial… Zumindest der Handlungsträng in dem das kleine Mädchen Krebs hatte.

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      • Ah na dann bin ich mir auch nicht sicher, ob ich es über diesen Weg gemocht hätte.
        Wir haben das, ein Jahr, nachdem ich es schon gelesen hatte, als Lektüre in Deutsch besprochen und da haben das dann doch auch einige gelesen, die sonst nicht lesen und es für gut befunden.
        Eine für Vier hab ich nie gelesen 🙂

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