Stephen Davies – Blood & Ink (Die Bücher von Timbuktu): eine Rezension

52 Blood and InkAutor Stephen Davies
Übersetzerin Katharina Diestelmeier
Titel Blood & Ink: Die Bücher von Timbuktu
Hardcover/Softcover Ausgabe
Seitenzahl  288 Seiten
Verlag Aladin
ISBN  3848920727
Preis 14,95 € bei amazon
Genre Contemporary, Rebellion, Lebenslust, Romance
Erschienen 28. Juli 2016

Inhalt

Kadija ist ein junges Mädchen aus Timbuktu mit einer scharfen Zunge und viel Selbstbewusstsein. Sie ist die Sängerin einer Band und telefoniert gerne nachts lange mit ihrer besten Freundin. Als Timbuktu von den »Verteidigern des Glaubens« angegriffen und übernommen wird, ist Kadi ganz vorne dabei die wertvollen Schriftrollen mit Geschichten aus aller Welt in Sicherheit zu bringen.

Ali liebt Allah und hat ein großes Problem damit, wenn etwas nicht haram (also im Sinne von rein und nach dem Koran) ist. Eigentlich ist er nur ein Hirtenjunge, der unter Rotbart, dem Führer der »Verteidiger des Glaubens« verinnerlicht hat, dass alle Ungläubigen streng bestraft werden müssen und er ein Ninja ist, der hilft, das alles auch eingehalten wird.

Aber der liebe Ali hat auch Struggle, besonders wenn er die bezaubernde Kadi wirklich bezaubernd findet, obwohl er ziemlich genau weiß, dass sie illegale Sachen macht und im Koran steht, dass Männer und Frauen nicht zusammen alleine sein sollen…

Meine Meinung

Dieses Buch ist das einzige Buch, das ich auf der Leipziger Buchmesse erstanden habe, einfach weil es mich wirklich angesprochen hat, aus dem Bauch heraus.

Es ist schmutzig und schemenhaft, hat den Titel in Krakelschrift notiert und die Oberfläche ist so wunderbar rau und robust. Hat wirklich Charakter das Buch!
Aber ich hab es nicht unbedingt deswegen aus dem Regal gezogen, vielmehr war es ein Gefühl, obwohl ich die Jugendbücher beim Carlsenverlag immer so semigut finde (das ist dann schon viel in die Richtung »Obsidian« und das ist nicht meine Präferenz). Dieses Gefühl, etwas wildes in den Händen zu halten.

Im Endeffekt habe ich noch am Sonntagabend, nachdem ich wieder von der Buchmesse zurück war bereits 100 Seiten gelesen und die Woche darauf wurde es dann schneller als man schauen konnte verschlungen. Aber es sind nun mal auch nur knapp 300 Seiten und ziemlich gut geschrieben und sehr turbulent.

Karte

»Blood & Ink« spiegelt das Leben zweier Jugendlicher wider, die bei der Übernahme der Stadt Timbuktu durch die »Verteidiger des Glaubens« ganz unterschiedliche Ausgangspunkte haben und es dementsprechend auch ganz unterschiedlich erleben.
Die Geschichte erzählt von der Übernahme, schildert die strenge Führung der Glaubenskämpfer, die Gewalt, das offene Aufbegehren und den heimlichen Widerstand der Bevölkerung von Timbuktu – gut recherchiert, wie es in 2012 wirklich in Timbuktu war.
Doch wir haben es hier nicht mit einer Art Dokumentation zu tun, sondern vielmehr einer Geschichte aus dem Herzen der wahren Begebenheit. Eine rasende Geschichte mit viel brennenden und brechenden Momenten, mit viel Widersprüchen und Erkenntnis.
Eine fiktive Geschichte über die Liebe in der Familie, bei Freunden, zu Geschichten und die Liebe zu völlig Fremden. Eine Geschichte in der Wirklichkeit über machthungrige, gewalttätige Menschen und über den ungebrochenen Geist von Menschen der Freiheit. Eine Geschichte über Religion und wie verschieden sie ist und gelebt werden kann, eine Geschichte für die verwirrten Geister unserer Zeit.

»Im März 2012 gab es einen Militärputsch in Mali. Der Präsident floh aus seinem Palast, das Land stürzte ins Chaos. Und Chaos bedeutet Verletzlichkeit. Die Tuareg-Rebellen sahen darin eine Gelegenheit, den Norden Malis zu erobern, um ihr glorreiches Land Azawad zu errichten. Die Verteidiger des Glaubens witterten die Chance, den Islamischen Staat zu errichten, von dem sie immer geträumt hatten. Beide Gruppen beschlossen zusammenzuarbeiten, um ihre Ziele zu erreichen.
Am 30. März nahmen sie Kidal ein.
Am 31. März überfielen sie Gao.
Am 1. April sammelten sich ihre Kämpfer in der Wüste nördlich von Timbuktu und machen sich zum Angriff bereit…«

Eine Geschichte, die die Wirklichkeit gut abbildet, was die äußeren Umstände angeht (meinem begrenzten Wissen nach) und dann eine fiktive Geschichte von zwei Teenagern dazu setzt, die etwas überwinden und das natürlichste (NICHT) tun, was man eben in solch einer Situation tut, einander vertrauen.

Kadija oder Kadi, wie sie von ihren Freunden genannt wird ist ein freiheitsliebender KadijaMensch, der gerne die Stimme erhebt, um zu genießen, was das Leben eben bietet. Sie singt in einer Band, liebt es zu tanzen und macht gerne Unsinn mit ihrer besten Freundin (die Freundschaft ist wirklich bezaubernd). Kadis Familie ist niedlich und so wunderschön eng miteinander. Ihr Vater ist ein kleiner Geschichtensammler und hat etwas Verschmitztes an sich, verdammt mutig, loyal und sturköpfig. Er hat des Öfteren damit zu kämpfen, dass Kadi tut was sie will und er ein sehr weiches Herz hat und seine Tochter über alles liebt, sodass er sie nicht einschränken kann in ihrem Leben.

Ali ist ein Junge aus Fulbe, als Ziegenhirte sehr geschickt und robust, aber auch leicht beeinflussbar, obwohl er ein Vielleser ist. Als er von seinen Eltern getrennt wird und zu den Ninjas der »Verteidiger des Glaubens« kommt, wo er einen neuen Namen aus dem Koran bekommt und ausgerechnet nach dem mutigsten Kämpfer benannt wird, da wird aus dem kleinen Ziegenhirten ein gläubiger junger Mann, der Fußball immer über alles liebte und jetzt überzeugt ist, dass der einzige Weg zum Paradies der Islamische Staat ist. Er betet viel, liest in den Schriften, würde sich wohl auch zum Märtyrer machen, wenn es soweit ist.

Als Timbuktu eingenommen ist und er wie alle anderen Ninjas durch die Stadt patrouilliert, trifft er auf Kadi und obwohl er sich selbst dafür hasst, übt sie etwas auf ihn aus und er versucht das mit aller Kraft zu überwinden, durch Gewalt durch das Erzeugen des Hasses auf ihn bei Kadi, durch Beten und durch unglaubliches Kämpfen mit dem eigenen Herzen.

AliAli verwandelt sich Stück für Stück wieder zu etwas, das er sein kann, ohne sich vollkommen aufgeben zu müssen, er erkennt, dass Glauben nicht immer so erdrückend sein muss, um wirklich wahrhaftig zu sein – eine unglaubliche Charakterentwicklung!

Einzig das etwas zu happy happy ending war schon ziemlich  weithergegriffen!
Außerdem sind 300 Seiten viel zu wenig, um diese bezaubernden Charaktere ganz auszuschöpfen und eine abgerundete Geschichte zu erzählen, die nicht zu schnell wirkt.

Die Schreibstil ist fließend, schnell, Metaphernreich.

Autor

Stephen Davies lebte für dreizehn Jahre unter den Fulani-Nomaden in Burkina Faso als Missionar und Englischlehrer. Während seiner Zeit dort schrieb er für »The Guardian Weekly« und »Sunday Times«. Davies ist Autor zahlreicher Kinderbücher, die in Westafrika spielen. Seit 2014 lebt er mit meiner Familie in London.

Fazit: Ein Buch, das mich wirklich wieder einmal aufgeweckt hat, einen Beigeschmack hinterlassen hat, der mich zwickt und gleichzeitig meine Sinne wieder einmal geschärft hat. Eine Geschichte für alle, die gerne von der Freiheit lesen, Spannung und witzige Wortgefechte mögen. Für alle, die gerne gegensätzliche Charaktere miteinander tanzen sehen.

Plot                       ✪✪✪✪/5✪
Cover                   ✪✪✪✪/5✪
Charaktere         ✪✪✪✪/5✪

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3 Gedanken zu „Stephen Davies – Blood & Ink (Die Bücher von Timbuktu): eine Rezension

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