Charlotte Brontë – Jane Eyre: eine Rezension

50-jane-eyreAutorin Charlotte Bronte
Übersetzer Gottfired Röckelein
Titel Jane Eyre
Hardcover/Softcover Ausgabe
Seitenzahl 672 Seiten
Verlag dtv Verlag
ISBN  3423125403
Preis 9,90 € bei amazon

Genre Klassiker, slice of life, Liebesgeschichte
Erschienen 1. Juli 1998

Inhalt

Jane Eyre wächst als Waise bei ihren nicht so netten Verwandten auf und wünscht sich nichts sehnlicher, als ihrer gemeinen Tante und den fiesen Cousinen zu entfliehen. Als sie auf das Internat Lowood geschickt wird, wo sie sich alsbald als talentierte Schülerin herausmustert und auch nach ihrem Abschluss noch zwei Jahre als Lehrerin arbeitet, ändert sich ihr Leben schnell.

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Doch Jane Eyre wollte noch mehr sehen und nach einem Stellenangebotschreiben in der örtlichen Zeitung wird sie von Mrs Fairfax kontaktiert und soll fortan Gouvernante der kleinen Adele auf Thornfield Hall sein. Ein ruhiges Leben, bis der Hausherr Mr Edward Rochester sein Gut aufsucht und wieder die hitzköpfige und leidenschaftliche Jane Eyre aus der sonst so nüchternen Gouvernante rauskitzelt. Doch in den Hallen von Thornfield Hall ist noch viel mehr versteckt, als nur Staub, Steine und Glanz….

Meine Meinung

Ein goddamn Klassiker, den ich mich lange gesträubt habe, zu lesen. Einfach weil mein kindliches Herz so voller Stolz war und eine geheime Ablehnung gegen Charlotte Bronte und ihre Schwestern gehegt hat.

jane-eyre»I am no bird; and no net ensnares me: I am a free human being with an independent will.«

Denn die drei haben meine liebe Jane Austen einst herablassend als schlechte Autorin bezeichnet und ab diesem Zeitpunkt, war mein Wille die Klassiker der drei Schriftsteller Schwestern zu lesen äußerst gering. Da ich das Buch allerdings in Englisch und Deutsch in meinem Regal stehen habe, war nun endlich der Zeitpunkt gekommen und ich hab mich doch tatsächlich den gesamten Januar förmlich durch das Buch gequält.

»I had not intended to love him; the reader knows I had wrought hard to extirpate from my soul the germs of love there detected; and now, at the first renewed view of him, they spontaneously revived, great and strong! He made me love him without looking at me.«

Das Cover ist ganz nach dtv-Klassiker äußerst schlicht in Rot gehalten und mit einem Audrey Hepburn-Verschnitt auf dem Cover, der wohl Jane darstellen soll, gesegnet. Meeeep – negativ, Dude, das ist ein Grauen und wirklich so gar nicht DIE Jane Eyre.

»Do you think, because I am poor, obscure, plain and little, I am soulless and heartless? You think wrong! – I have as much soul as you, – and full as much heart! And if God had gifted me with some beauty and much wealth, I should have made it as hard for you to leave me, as it is now for me to leave you.«

Die Geschichte ist realistisch, authentisch und auch interessant, denn immerhin war Jane Eyres Leben, das hier offen gelegt wird, nicht gerade das, was man langweilig nennen würde. Vor allem die Zeit, als sie das Internat Lowood besucht hat, haben mir gut gefallen. In Thornfield Hall gab es allerdings die eine oder andere Länge und man ist nicht so einfach durch fast 700 Seiten durch, wenn man blöderweise schon die Geschichte kennt, weil man ausmr-rochester gegebenen Gründen den Film bereits angesehen hat, weil man es ja nicht mehr lesen wollte. Außerdem müssen wir auch ehrlich mit uns selbst sein, denn diese Bücher sind nunmal keine Durchrenn-Bücher mit Suchtfaktor für eine lange Nacht, sondern viel mehr gemütliche Kapitel-für-Kapitel-Bücher, denn die braucht man auch manchmal.

»It does good to no woman to be flattered [by a man] who does not intend to marry her; and it is madness in all women to let a secret love kindle within them, which, if unreturned and unknown, must devour the life that feeds it; and, if discovered and responded to, must lead, ignis-fatuus-like, into miry wilds whence there is no extrication.«

Jane Eyre ist als Kind ein Kind: leidenschaftlich, für sich selbst einstehend und am Internat ausgesprochen fleißig und folgsam. Je älter sie wird, desto stärker wird der Schutzpanzer und die Ernüchterung. Ihre Leidenschaft wird unter einer schweren Decke aus Gesellschaftsregeln und Steifheit, sowie Pragmatik versteckt. Das ist Jane Eyre.

»There is no happiness like that of being loved by your fellow creatures, and feeling that your presence is an addition to their comfort.«

Mr Rochester ist kein gutaussehender, aber beeindruckender Mann, so sagt man. Er ist zynisch, unverschämt und so tieftraurig. Er ist eine wirklich tolle fiktive Figur, man fühlt sein Wissen, seine Erfahrung und seine Weltgewandtheit in jeder Bewegung und jedem Satz, den er von sich gibt – sehr interessant, aber auch nicht mehr.

Der Schreibstil ist gut, aber nüchtern und pragmatisch, nicht ausschweifend und metaphorisch, genau wie Jane Eyre eben, die diese Geschichte ja auch erzählt.

Autor

Charlotte Brontё wurde am 21. April 1816 als älteste der drei berühmten Schwestern in Thornton, Yorkshire, geboren. Schon als Kind begann sie zu schreiben, arbeitete jedoch zunächst einige Jahre als Lehrerin und Gouvernante, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Wie ihre Schwestern veröffentlichte sie ihre Werke unter einem männlichen Pseudonym; die wahre Identität der Autorinnen gab sie 1850 in einem Vorwort zu Emily Brontёs ›Wuthering Heights‹ preis. Neben ›Jane Eyre‹ hinterließ Charlotte Brontё drei weitere Romane sowie einen gemeinsam mit ihren Schwestern publizierten Gedichtband. Sie starb 1855 in Haworth, Yorkshire.

Fazit: Jane Eyre ist ein Klassiker, spröd wie die Engländer eben, mit Aufblitzern von Leidenschaft. Ein Buch für alle, die gerne Geschichten von Jane Austen, Thomas Hardy oder anderen englischen Autoren der klassischen Literatur lesen. Für alle die, die auf interessante Frauenfiguren stehen, die ihren Weg erkämpfen und sich nicht von Männern den Weg weisen lassen. Jane Eyre – ein Klassiker, der eben ein Klassiker ist, ohne Suchtpotential aber dafür mit einer angenehmen, melancholischen Stimmung.

Plot                       ✪✪✪/5✪
Cover                   ✪✪✪/5✪
Charaktere         ✪✪✪✪/5✪

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Ein Gedanke zu „Charlotte Brontë – Jane Eyre: eine Rezension

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