Carlos Ruiz Záfon – Der Schatten des Windes: eine Rezension

40-der-schatten-des-windesAutor Carlos Ruiz Zafón
Übersetzer Peter Schwaar
Titel Der Schatten des Windes
Hardcover/Softcover Ausgabe
Seitenzahl  771 Seiten
Verlag Fischer
ISBN 3596512980
Preis 13,00 bei amazon
Genre Familienroman, Liebesgeschichte, Lebensgeschichte
Erschienen 26. September 2013

Inhalt

Der junge Daniel Sempere ist zehn, als er auf den Roman ›Der Schatten des Windes‹ eines gewissen Julián Carax stößt, ein Buch, das ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen wird. Der Autor scheint verschollen, und irgendjemand trachtet danach, alle Exemplare aus der Welt zu schaffen. Daniel begibt sich auf die Suche nach Julián Carax, eine Suche, die ihn aus dem Barcelona der Franco-Zeit in die Vergangenheit des Spanischen Bürgerkriegs und der turbulenten 1920er Jahre führt. Und während Daniel heranwächst, sich verliebt und wieder verliebt, scheinen sein Leben und die tragische Welt des Julián Carax auf sonderbare Weise miteinander verwoben – bis schließlich Daniels größtes Glück in Gefahr gerät.

Meine Meinung

Dieses wunderbare Werk habe ich von einer lieben Freundin zum 18. Geburtstag bekommen und weil wir schon ein paar Mal über die Softcover/Hardcoverthematik gestolpert sind, meinte sie, sie schenkt mir diesmal eine dieser wunderschönen kleinen Sammelausgaben und die liest sich nicht nur fabelhaft, sondern ist auch superhandlich und leicht für unterwegs. Von der Schönheit ganz zu schweigen.

Das Cover ist passend für die Geschichte, fängt auch ein bisschen das Mystische ein.

Die Geschichte, die sich zwischen den Seiten befindet ist wunderschön und fesselnd und berührend und geradezu magisch (ohne wirklich übernatürlich zu sein).

»Einmal hörte ich einen Stammkunden in der Buchhandlung meines Vaters sagen, wenige Dinge prägten einen Leser so sehr wie das erste Buch, das sich wirklich einen Weg zu seinem Herzen bahne. Diese ersten Seiten, das Echo dieser Worte, die wir zurückgelassen glauben, begleiten uns ein Leben lang und meißeln in unserer Erinnerung einen Palast, zu dem wir früher oder später zurückkehren werden, egal, wie viele Bücher wir lesen, wie viele Welten wir entdecken, wieviel wir lernen oder vergessen. Für mich werden diese verzauberten Seiten immer diejenigen sein, die ich auf den Gängen des Friedhofs der vergessenen Bücher fand.«
S.20

Es ist nicht nur eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über die erste Liebe oder über Barcelona, sondern auch eine Geschichte über Bücher und das macht es vollkommen.

Es hat dementspechend alles in sich, was eine gute Geschichte über das Leben in sich haben sollte. Einzig und alleine das absolute Happy End hat mich ein bisschen enttäuscht zurückgelassen; es hätte perfekt werden können, aber ein bisschen zu gewollt ist die hohe Überlebensquote schon in meinen Augen. Das Leben ist schließlich auch nicht immer so.

Das Wundervollste an »Der Schatten des Windes« ist aber die Verknüpfung zwischen Daniel und Julián, deren Leben sich in so vielen Ebenen schneiden, die sich so ähnlich sind. Wir beobachten mit einer unheimlichen Starre, ob auch die Schicksale der beiden Männer sich gleichen werden oder nicht. Vielleicht ist das aber auch die Botschaft von Zafón, dass wir durch unsere Entscheidungen geprägt werden und prägen und nicht unbedingt ein Schicksal unseren festen Weg schreibt.

»Die zunehmende Dunkelheit und das Schweigen, das Fremde miteinander verbindet, die allein sind, schützten uns, und ich fühlte mich stark genug, jede Verrücktheit zu sagen, und sei es zum letzten Mal.«
S.285

Die Figuren sind in einer Art Muster aufgebaut:
Daniel ist ein aufgeweckter und intelligenter Junge, der gerne liest und doch eher immer schüchtern ist, als forsch und großmäulig. Er lebt mit seinem Vater zusammen über dessen Buchladen und findet mit 10 Jahren das Buch »Der Schatten des Windes«, das sein Leben für immer verändert. Julián ist Daniel sehr ähnlich, er ist fantasievoll, denkt sich gerne Geschichten aus und hatte als junger Mann den nicht aufhaltbaren Drang kreative Energie in die Welt zu lassen.

Die beiden besten Freunde der jungen Männer sind auf der einen Seite Fermin, der als Mitarbeiter des spanischen Geheimdienstes nach dem Bürgerkrieg auf der Straße landete. Daniel bringt ihn zu seinem Vater und dieser nimmt ihn als Gehilfe auf. Diese zweite Chance, macht aus dem sprachgewandten und äußerst amüsanten Mann wieder ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft und dafür, so sagt er, ist der den Semperes für immer zum Dank verpflichet – Er ist großartig, so ein schrulliges, mutiges kleines Männchen, das man nur liebhaben kann.

»Schreib«, sagte er.
»Sobald ich dort bin, schreib ich dir.«
»Nein, nicht mir. Schreibe Bücher, nicht Briefe. Schreib sie für mich, für Penélope«
Julián nickte und merkte erst jetzt, wie sehr er seinen Freund vermissen würde.
»Und bewahr dir deine Träume«, sagte Miquel.
»Du kannst nie wissen, wann du sie brauchst«
»Immer«, murmelte Julián, doch das Fauchen des Zuges hatte ihnen die Worte schon genommen.
S.449

Parallel dazu ist Miquel der beste Freund Juliáns, der ihm treu ergeben ist und derjenige war, der ihm zum Schreiben gebracht hat. Einen Freund wie Miquel müsste jeder haben!
Die gleiche Parallelität taucht auch bei den Liebsten auf: Beatriz und Pénelope und auch die beiden Brüder und Väter der Angebeteten gleichen sich vom Naturell und Entschlossenheit.

Die Charaktere in der Geschichte sind allesamt tiefe Persönlichkeiten, die teilweise skurril und alle einzigartig sind, alle auf ihrer Art im Kopf bleiben und dich mitnehmen in die Geschichte.

Der Schreibstil ist wortgewandt, voll mit Metaphern, poetisch, aber nicht unangenehm oder kompliziert zu lesen. Zafón schreibt treffend und spannend.

 Autor

Barcelona hat ihn geprägt, zum Schreiben animiert und inspiriert. Das in 30 Sprachen übersetzte Werk des Spaniers Carlos Ruiz Zafón, insbesondere seine Bestseller ›Der Schatten des Windes‹, ›Das Spiel des Engels‹ und ›Der Gefangene des Himmels‹, sind von seiner Geburtsstadt nicht zu trennen. Zafón ist ein glänzender Erzähler. Seine Bücher, aufwendig und genau recherchiert, erreichen ihren Reiz durch den Wechsel von Spannung und Fantasie, durch die Neugier auf die Figuren, ihr Leben, Lieben und Scheitern. Es sind grandiose Gestalten – Helden und Schurken, Glücksritter und Pechvögel. Seine ersten Erfolge feierte Carlos Ruiz Zafón mit den drei phantastischen Schauerromanen ›Der Fürst des Nebels‹, ›Mitternachtspalast‹ und ›Der dunkle Wächter‹. Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren und teilt seine Zeit heute zwischen Barcelona und Los Angeles.

Fazit: Es war berührend und treffend, womöglich ein Buch, dass man genau jetzt braucht, es war absolut stimmig. Für jeden eine Story, der gerne Geschichten über Bücher, Liebe, Freundschaft und ein Geheimnis liest, Geschichten über das Leben.

Plot                       ✪✪✪✪✪/5✪
Cover                      ✪✪✪✪/5✪
Charaktere         ✪✪✪✪✪/5✪

»Ich spürte Millionen verlassener Seiten, herrenloser Welten und Seelen um mich herum, die in einem Ozean der Dunkelheit untergingen, während die außerhalb dieser Mauern pulsierende Welt Tag für Tag mehr die Erinnerung verlor, ohne es zu merken, und sich um so schlauer fühlte, je mehr sie vergaß.«
S.127

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6 Gedanken zu „Carlos Ruiz Záfon – Der Schatten des Windes: eine Rezension

  1. Pingback: AUGUST 2016 | freigedichtung

  2. Also ich muss kurz erwähnen, das ich alle drei Bände verschlungen dabei und Záfon durchaus als Genie feiere. Zumindest für reale Dramen, ich fand das Ende des ersten Bandes so spannend. Ich habe gebetet dafür, dass Julián nichts passiert….

    Gefällt 1 Person

    • Oja, eben weil er die Magie in der Realität hervorbringt, finde ich es so wunderbar!
      Ein Happy-End ist etwas, dass sich jeder Leser für die Buchfiguren wünscht und es klingt ja auch alles sehr, sehr schön, aber das war mir dann doch irgendwie zu viel es Guten (es hat eben meiner Meinung nach eher nach einem weniger glücklichen Ende geschrien – eine echte Geschichte eben!)

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