George Orwell – Farm der Tiere: eine Rezension

39-farm-der-tiereAutor George Orwell
Übersetzer Michael Walter
Titel Farm der Tiere – Ein Märchen
Hardcover/Softcover Ausgabe
Seitenzahl  132 Seiten
Verlag Diogenes Verlag
ISBN 3257201184
Preis 9,00€ bei amazon
Genre Märchen, Sozialkritik, Satire
Erschienen 1982

 Inhalt

Es erzählt die Geschichte einer  Erhebung der Tiere einer englischen Farm gegen die Herrschaft ihres menschlichen Besitzers, der sie vernachlässigt und ausbeutet. Nach anfänglichen Erfolgen und beginnendem Wohlstand übernehmen die Schweine immer mehr die Führung und errichten schließlich eine Gewaltherrschaft, die schlimmer ist als diejenige, welche die Tiere abschütteln wollten.

Meine Meinung

Ein Klassiker, den man gelesen haben sollte. Ich hab es vor Jahren schon einmal gelesen, aber nach dem Disney-Book-TAG, dachte ich mir: auf ein Neues!

Die Cover beim Diogenes Verlag sind immer simpel, aber auch passend.

10-farm-der-tiere-plakat

Doch die Frage ist jetzt, was soll ich zur Geschichte schon groß schreiben. Es ist ein Märchen, eine Fabel, deren Verlauf ziemlich genau die Geschichte von Russland und ihrer beiden Machthaber nach der Februarrevolution darstellt. Orwell zeigt gekonnt den immer krasser werdenden Ablauf einer Republik unter einem Machthaber, mit Klassendenken und Anbeten des Diktators, Zensur und Ausbeutung. Der Spannungsbogen bleibt hoch und nimmt nicht mehr ab, der Schreck sitzt tief, je weiter man liest. Einfach abartig.

Die Charaktere sind Tiere mit ganz eigenen Persönlichkeiten.
Zu Beginn treffen wir auf Old Major, ein Schwein, welches schon ein hohes Alter erreicht hat und seine Weisheit und Erkenntnis an die anderen Tiere weiter geben möchte. Er ist derjenige, der den Tieren von der Möglichkeit einer Revolution berichtet und ihnen »Tiere Englands« beibringt.

»Tiere Englands, Tiere Irlands,
Tiere, ihr, von fern und weit,
Höret meine frohe Botschaft
Von der gold’nen Zukunftszeit.

Seid gewiß, der Tag wird kommen,
Wo der Tyrann Mensch muß geh’n,
Und auf Englands satten Fluren
Werden nur noch Tiere steh’n.

Nasenringe werden schwinden,
Das Geschirr wird abgeschnallt,
Bügel, Sporen werden rosten,
Keine Peitsche dann mehr knallt.

Unvorstellbar reiche Güter:
Korn und Gerste, Klee und Heu,
Hafer, Bohnen, Mangoldwurzeln,
Schenkt uns dieser Tag erst neu.

Leuchten werden Englands Felder,
Lauterer sein Wasser rinnt,
Lieblicher die Lüfte wehen,
Wenn der Freiheit Tag beginnt.

Diesen Tag gilt’s zu erringen,
Sterben wir auch, eh er naht;
Kuh und Roß und Gans und Truthahn
Müssen säen der Freiheit Saat.

Tiere Englands, Tiere Irlands,
Tiere, ihr, von fern und weit,
Hört und kündet frohe Botschaft
Von der gold’nen Zukunftszeit.«
(S.16)

Die Schweine, die sich von Anfang an über die anderen Tiere stellen, vor allem Napoleon und Schneeball geben zu Beginn des Umsturzes den Ton an und entwickeln sich zu, den Menschen sehr ähnlichen Monstern. Schwatzwutz ist das Sprachrohr der Schweine, weil er sich recht gut auf Worte und Reden versteht – im Grunde der Propaganda-Minister.

Die Sieben Gebote

  1. Alles was auf zwei Beinen geht, ist ein Feind
  2. Alles was auf vier Beinen geht oder Flügel hat, ist ein Freund
  3. Kein Tier soll Kleider tragen
  4. Kein Tier soll in einem Bett schlafen
  5. Kein Tier soll Alkohol trinken
  6. Kein Tier soll ein anderes Tier töten
  7. Alle Tiere sind gleich
    (S.25)

Neben den Schweinen gibt es noch die Schafe, die wegen ihrer mangelnden Intelligenz leicht von den Schweinen zu ihrem Vorteil benutzt werden und dazwischen stehen die anderen Tiere. Zum Beispiel Boxer, das stärkste Pferd im Stall, das den Schweinen immer untergeben war und mehr gearbeitet hat, als alle anderen, am Ende aber auch ein Opfer der Machtgier wird. Muriel die Ziege, Benjamin der Esel, Butterblume und Mollie die anderen Pferde und Moses der Rabe.

 

»Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht.«
(S.43)

Der Schreibstil Orwells ist flüssig und angenehm zu lesen.

 Autor

Die utopische Fabel „Farm der Tiere“ und der Roman „1984“, eine Schreckensutopie über das Leben in einer totalitären Gesellschaft, sind zwei der meistgelesenen Bücher des 20. Jahrhunderts. Sie stammen von dem Briten Eric Arthur Blair alias George Orwell, geboren am 25. Januar 1903 in Indien. Bereits in seinem Romandebüt „Erledigt in Paris und London“ zeigt sich der Autor politisch motiviert; kritisch beschäftigt er sich darin mit dem Leben von Obdachlosen, zu denen er als junger Mann selbst zeitweise gehört hatte. Er kämpfte 1936 im Spanischen Bürgerkrieg, in dem er schwer verletzt wurde. „Animal Farm“ erschien 1945, ein Jahr darauf „1984“. George Orwell starb am 21. Januar 1950 in London an Tuberkulose. Sechs Wochen vor seinem Tod heiratete Orwell seine langjährige Freundin Sonia Brownell.

»Esel haben ein langes Leben. Keiner von euch hat je einen toten Esel gesehen.«
(S.29)

Fazit: Ein Buch, dass in Form einer Parabel ganz genau aufzeigt, wie unglaublich lebewesensverachtend eine Diktatur sein kann. Sozialkritik vom Feinsten, die auch heute noch ganz wunderbaren Realitätsbezug haben kann. Ein Muss für alle!

Plot                       ✪✪✪✪✪/5✪
Cover                           ✪✪✪/5✪
Charaktere             ✪✪✪✪/5✪

»ALLE TIERE SIND GLEICH,
ABER MANCHE SIND GLEICHER.«
(S.113)

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5 Gedanken zu „George Orwell – Farm der Tiere: eine Rezension

  1. Pingback: JULI 2016 | freigedichtung

  2. Um ehrlich zu sein war ich nach dem Buch noch verstörter als bei 1984. Meinen beiden Haustieren wollte ich die folgenden Tage wirklich nicht im Dunkeln begegnen… (Frag mich nicht, warum ich nur im Dunkeln vor ihnen angst hatte….)

    Die verschiedenen Rollen passen zwar zu den Tiercharakteren, aber ich hätte es sehr interessant gefunden wenn es beispielsweise böse Esel gegeben hätte etc.

    Gefällt 1 Person

    • Der Unterschied zwischen den beiden Romanen ist, das das eine ein tatsächliches Ereigniss überspitzt aufzeigt und das andere eine absolut beängstigende und mehr als mögliche „Zukunft“ darstellt.
      Deswegen finde ich 1984 unheimlicher, weil es noch vor uns liegt.
      Haustier sind viel zu sehr vermenschlicht, die sind wie Mollie; krass abhängig von unserer Liebe.
      Liebe Grüße Itchy

      Gefällt 1 Person

  3. George Orwell schafft es wirklich, eine ungemütliche Spannung aufzubauen und zu schockieren. Ich habe zwar bisher nur 1984 von ihm gelesen, aber das scheint sein Stil zu sein. ‚Farm der Tiere‘ ist bestimmt ein tolles Buch, das du mir mal ausleihen darfst!

    Gefällt 1 Person

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