Paul Celan: Die Todesfuge

Wir haben das Gedicht vor ein paar Wochen in der Schule besprochen und es war eines der ersten Gedichte, bei denen ich begeistert war, wie die Interpretation doch so unschlüssig ist und gerade deswegen fand ich sie so schlüssig.
Die Lehrer und Poeten diese Welt sind immer der Meinung, ein Gedicht ganz genau interpretieren zu können und das war ihnen hier irgendwie nicht möglich, zumindest nicht in dem Ausmaß, wie wir das sonst zu Gedíchten in der Schule hören.
Gerade weil diese Arroganz, einen Dichter aus einer vergangenen Zeit, vollkommen verstehen zu können, einmal ausgeschalten war, hat es mir gefallen, selbst einige Schlüsse ziehen zu können und gleichzeitig einfach das düstere Gefühl versinken zu lassen. Ich war begeistert, trotz des krassen Themas. Das Gedicht klingt beeindruckend:

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Wie findet ihr das Gedicht von Celan? Was fühlt ihr beim Lesen? Kennt ihr mein oben beschriebenes Problem aus der Schule? – Lasst es mich wissen!

Bis die Tage!
Itchy

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Ein Gedanke zu „Paul Celan: Die Todesfuge

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