Fabian: Die Geschichte eines Moralisten- Ericht Kästner: eine Rezension

 

27-fabianAutor Erich Kästner
Titel Fabian: Die Geschichte eines Moralisten
Hardcover/Softcover Ausgabe
Seitenzahl 246 Seiten
Verlag dtv-Verlag
ISBN 3423110066
Preis 7,90 € bei amazon
Genre Historischer Roman
Erschienen am 1. Februar 1989

Inhalt

Das Werk gilt als eine der brillantesten Satiren auf deutsche, insbesondere Berliner Zustände am Ende der zwanziger Jahre und während der großen Wirtschaftskrise um 1930. Titelheld ist der zweiunddreißigjährige Germanist Dr. Jakob Fabian, bisher Adressenschreiber, nun Reklametexter für eine Zigarettenfirma, ein »zarter Ironiker«, der »auf den Sieg der Anständigkeit wartet«, nicht gerade lebenstüchtig ist und von den Menschen immer wieder übervorteilt wird.

Meine Meinung

Fabian ist unsere momentane Lektüre im Deutschunterricht. Der Großteil unserer Literaturbanausen hat natürlich bei den knapp 250 Seiten aufgestöhnt, DOCH wir wurden mehr als positiv überrascht. Denn normalerweise brauche ich immer eine Weile, bis ich mich mit Schullektüren anfreunden kann.

»Tag, Herr Fabian. Seriöse Gespräche, wie? Gibt es ein Fortleben nach dem Tode? Im Vertrauen gesagt, es gibt keins. Muß alles vor dem Tode erledigt werden. Alle Hände voll zu tun. Tag und Nacht.«

Das Cover ist ein Bild von Raoul Dufy »Atelier mit Torso« und kann man als eine Szene im Buch interpretieren. Jetzt nicht atemberaubend aber auch nicht schlecht.
Die Geschichte zwischen dem Einband ist witzig, sarkastisch, real, sie lässt dich etwas fühlen, du denkst nach und bist das eine oder andere Mal auch wegen der offenen Behandlung von Sexualität erstaunt. Schließlich kennt der Großteil der Menschen Kästner eher als Kinderbuchautor.

»Du müsstest endlich vorwärts kommen.«
»Ich kann doch nichts.«
»Du kannst vieles.«
»Das ist dasselbe«, meinte Fabian. »Ich kann vieles und will nichts. Wozu soll ich vorwärtskommen? Wofür und wogegen? Nehmen wir wirklich einmal an, ich sei der Träger einer Funktion. Wo ist das System, in dem ich funktionieren kann? Es ist nicht da, und nichts hat Sinn.«
»Doch, man verdient beispielsweise Geld.«
»Ich bin kein Kapitalist!«

Fabian Jakob, die Hauptfigur des Romans ist ein Moralist, ein Einzelkind, ein Doktor der Germanistik, ein guter Freund, ein Mensch, der im Leben nicht gerne einen Zweck sieht, jemand, der gerne passiv bleibt. Er ist passiv in dem Sinne, dass er kaum extrem ist, außer vielleicht in seinen Moralvorstellungen. Er hat eigentlich Germanistik studiert, einen Beruf in der Schiene allerdings niemals ausgeführt. Im Laufe des Buchs, lernst du die wunderschöne Beziehung zu seiner Mutter kennen, die Freundschaft zwischen Labude und ihm und auch eine Liebesgeschichte zwischen ihm und Cornelia.

»Aber ich bin schon mit ganz anderen Kerlen fertig geworden als mit mir.«

Labude ist einer dieser Extrema: ganz oder gar nicht! Das totale Gegenteil von seinem Freund. Er möchte etwas verändern, etwas verbessern und dabei natürlich auch etwas erreichen.

»Komm!« Er streichelte ihren Körper. Sie nahm seinen Kopf in ihre Hände, preßte den Mund aus sein Ohr und flüsterte: »Komm! Was rief die Selow? Es lebe der kleine Unterschied!«

Cornelia Battenberg ist ein Mädchen, das Fabian kennenlernt und nach einiger Zeit auch lieben. Sie verstehen sich gut und versuchen auch erst das eine oder andere Problem zusammen anzugehen.
Kästners Schreibstil ist ungemein ansprechend, zum Brüllen komisch und bisweilen voller Ironie!

»Man halte hier jeden Menschen, mit Ausnahme der Kinder und der Greise, bevor das Gegenteil nicht unwiderleglich bewiesen ist, für verrückt. Richten Sie sich danach, Sie werden bald erfahren, wie nützlich der Satz sein kann.«
»Soll ich bei Ihnen damit beginnen?« fragte sie.
»Ich bitte darum«, meinte er.

Autor

Als die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 Bücher und Bilder unliebsamer Künstler verbrannten, waren auch Werke von Erich Kästner darunter. Seine zeitkritischen und satirischen Texte hatten ihn in Ungnade fallen lassen. Der am 23. Februar 1899 in Dresden geborene Journalist und Schriftsteller lebte und arbeitete weiter in Berlin und publizierte im Ausland. Die Gedichtbände „Herz auf Taille“ und „Lärm im Spiegel“ erschienen 1928 und 1929, ebenso sein bekanntestes Kinderbuch „Emil und die Detektive“. Nach dem Krieg lebte Kästner in München und rechnete als Mitglied der „Schaubude“ sowie in seinen Hörspielen und Liedern mit den Nazis ab. Er starb am 29. Juli 1974 in München.

Fazit: Für jeden, der gerne Menschen beobachtet und die Moral hochsetzt. Für die, die gerne über die Weimarer Republik lesen und die Zustände, die Menschen und deren Leben genauer sehen möchten.

Plot               ✪✪✪✪/5✪
Cover               ✪✪✪/5✪
Charaktere  ✪✪✪✪/5✪

»Soweit diese riesige Stadt aus Stein besteht, ist sie fast noch wie einst. Hinsichtlich der Bewohner gleicht sie fast einem Irrenhaus. Im Osten residiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht, und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang.«

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2 Gedanken zu „Fabian: Die Geschichte eines Moralisten- Ericht Kästner: eine Rezension

  1. Warst du schon in seinem Museum in Dresden? Optisch vielleicht nicht jedermanns Fall, dennoch unheimlich informativ ich habe geschlagene 3 Stunden oder mehr in diesem einen Raum verbracht. Ein bemerkenswerter Mensch. Leider habe ich Fabian nie gelesen, meine Erik Kästner Bildung beruht einzig und allein auf fünf sehr bekannten Bücher. Wovon ich Pünktchen und Anton fast aus wenig aufsagen konnte… und seine Gedichte sind wirklich gut. Ich habe noch nie so sehr gelacht.

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