Julia Engelmann: »Wir können alles sein«

Die einen wollen, dass wir etwas werden,
die anderen wollen, dass wir etwas bleiben.
Doch was wollen wir? Was wollen wir sein?

Auch wenn Dinge sich verändern,
die Welt an sich bleibt immer gleich.
Daher müssen wir nichts werden,
wir können jetzt schon alles sein.

Wenn sie nicht an uns glauben
und wenn sie uns unterschätzen,
dann nur, weil sie in uns sehen,
was sie von sich selbst kennen.
Wir lassen uns nicht stoppen,
wenn sie wollen, sollen sie reden,
wie schauen auf uns selbst,
um entschlossen weiterzugehen.

Das hier ist das Willy-Wonka-Ticket,
das hier ist der Freifahrtschein,
ist Wunschkonzert und Greencard,
denn wir können alles sein.

Das schreiben wir an jede Wand,
uns hinters Ohr und auf die Stirn,
das singen wir auf jedem Platz –
dass dieses Leben uns gehört.
So wird es überall bekannt,
endlich sind wir laut wir selbst,
wir machen heute Handstand,
heute tragen wir die Welt.

Woher wir kommen, ist nicht wichtig,
wichtig ist, wohin wir gehen.
Wir müssen nichts verstecken,
wenn wir zu uns selbst stehen.
Wir können Zeit zu Hause vergeuden
und von der Welt im Stillen träumen.
Doch lieb gehen wir nach draußen
und träumen manchmal von zu Hause.

Wir können uns für uns entscheiden,
alles wird wahr, wonach wir greifen.
Hier ist, was der Himmel weiß:
Wir können jetzt schon alles sein.
Die Schnittmenge von dem,
was wir gerne sein wollen,
und dem, was wir gerade sind,
ist hundert und nicht eins.
Wir haben alle Zeit,
denn wir können alles sein.

Glücklich, zum Beispiel,
oder gut genug und frei,
laut, bunt, schön und federleicht,
simpel, witzig, wahr und leise,
open-minded, hilfsbereit,
spontan und immer mit dabei,
entspannt, mit allem eins
oder zusammen und dann zwei.

Und wir können alles sein.

Optimistisch, philosophisch,
lieb romantisch, melankomisch,
selbstbewusst und einzigartig,
ein bisschen, alles oder gar nichts,
immer anders, immer neu,
authentisch, mutig, wild und toll,
in der Welt zu Hause,
in uns selbst daheim.
Es ist so vieles möglich.

Und wir können alles sein.

Unsere eigenen Helden,
unsere eigenen Freunde,
unser eigener Investor in
unsere eigenen Träume.
Unsere eigenen Beschützer,
unsere Schüler, unsere Lehrer,
unsere eigenen Vorbilder,
unser Halt, unsere Verehrer.

Und wir können alles sein.

Querdenker, Quereinsteiger,
Grenzgänger, Wegweiser,
Party People, große Kinder,
Erfinder und Familiengründer,
Alles-Erdachte-möglich-Macher,
Lebenslauf-Collagenbastler,
oder Master of Disaster
an der Uni Kopenhagen.

Denn wir können alles sein.
Wir können alles sagen,
wir können alles leben,
und wir können alles haben.
Wir können jeden lieben,
alles denken, alles machen,
wir können alles lernen,
alles verwandeln, alles schaffen.

Auch wenn die Dinge sich verändern,
unsere Welt bleibt immer gleich.
Daher müssen wir nichts werden,
denn wir können alles sein.

Wie findet ihr das? Oder wie findet ihr Poetry Slam im allgemeinen? Kennt ihr Julia Engelmann? Und das Gedicht »One day« mit dem sie berühmt wurde? Lasst es mich wissen!

Bis dahin, Itchy

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