John Green – Margos Spuren: eine Rezension

15-margos-spurenAutor John Green
Übersetzerin Sophie Zeitz
Titel Margos Spuren
Hardcover/Softcover Ausgabe
Seitenzahl 331Seiten
Verlag dtv Hanser
ISBN 3423624992
Preis 9,95€ bei amazon
Genre Young-Adult, Erwachsenwerden, Roadtrip
Erschienen am 1.November 2011

Inhalt

Solange Quentin denken kann, ist Margo für ihn das begehrenswerteste Mädchen überhaupt. Doch je näher er ihr kommt, desto rätselhafter und unerreichbarer wird sie. Und dann steht Margo eines Nachts plötzlich vor seinem Fenster und bittet ihn um Hilfe: Er soll sie auf ihrem persönlichen Rachefeldzug begleiten und Freunden, die sie enttäuscht haben, einen Denkzettel verpassen. Quentin macht mit. Für eine Nacht wirft er alle Ängste über Bord. Doch am nächsten Morgen ist Margo verschwunden. Quentin sucht sie verzweifelt und findet Spuren, die ganz bewusst gestreut wurden. Um Margo zu finden, taucht er ein in ihr Universum und folgt ihr quer durch die USA. Es ist eine Reise zu einer Frau, die viel mehr ist, als er sich je erträumt hat, und zugleich ganz anders, als er je hat wahrhaben wollen.

Meine Meinung

In diesem Fall ist das Cover eben ein Cover. Sie legen jetzt seit, ich glaube , dem letzten Jahr auch alle anderen John Green –Bücher mit einem hübscheren Cover auf und haben mit »Eine wie Alaska« angefangen. Der Rest lässt noch auf sich warten, aber dann kaufe ich eben alle John Green – Bücher in Softcover und komischen Beinen als Bild darauf (ihr könnt euch überzeugen, das haben die meisten wirklich: Als hätte jemand einen Fetisch gehabt). Demnach gefällt es mir nicht so wirklich: Die Amerikaner können sich doch auch etwas Besseres einfallen lassen oder? Warum schaffen das wir nicht?

»Heute Nacht, mein Lieber, werden wir einiges Unrecht gerade biegen. Das Erste tun wir zuletzt und das Letzte zuerst: Selig sind die Sanftmütigen, denn die bekommen die Erde. Aber bevor wir die Welt radikal verändern, brauchen wir eine Ausrüstung.«

Die Gesichte ist, meines Erachtens nicht ganz so wunderbar, aber das Problem hierbei ist, dass seine anderen Bücher eben immer im direkten Vergleich mit »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« stehen und da können auch nur wenige Bücher wirklich mithalten. Es geht um die unsterbliche und niemals abebbende Liebe eines Teenagerjungens zu einem Mädchen, dass in seinen Augen ein Wunder ist. Schlussendlich hat er das Gefühl er müsste sie retten, obwohl wohl jeder sieht, dass sie sich nur selbst retten kann, weil sie eben Margo Roth Spiegelmann ist: Ein durchaus beeindruckendes Mädchen.

»Und wie war es, mit meinem Bein rumzuknutschen?«
»Ganz schön«, antwortete ich, was stimmte. Sie lehnte sich an mich, und ich spürte ihren Oberarm in meinen Rippen.
»Genau dafür habe ich mir heute Morgen meine Beine rasiert. Ich dachte: Du weißt nie, ob sich heute nicht jemand an deine Waden ranmacht und versucht dir Schlangengift auszusaugen.«

Quentin ist nicht gerade ein Nerd, viel mehr ein Niemand (würde man in Highschool-Einteilungen denken). Er hat zwar ein paar Freunde, die Nerds sind, aber Q, Ben und Radar sind gerade einmal so weit, dass sie mit ihrem Teenagerleben nur so viel anfangen können, wie ihnen vorgelebt wird.

Das mochte ich am liebsten an meinen Freunden: einfach zusammensitzen, Sprüche zu klopfen und uns Geschichten voneinander zu erzählen. Geschichten wie Fenster und Geschichten wie Spiegel. Ich hörte nur zu – die Geschichten, die mir durch den Kopf gingen, waren nicht so unterhaltsam.
Ich dachte daran, wie alles zu Ende ging – die Schule und alles andere. Es war schön, an der Wand zu stehen und meinen Freunden zuzusehen – mit einem Gefühl von Wehmut, das nicht unangenehm war. Und so lauschte ich einfach und genoss die Trauer und die Freude über das nahe Ende, die sich gegenseitig noch verstärkten. Es fühlte sich ein bisschen so an, als müsste mein Brustkorb zerreißen, doch es war kein ganz unangenehmes Gefühl.

Demnach empfinde ich Quentin zwar als einen netten Jungen, dem man sicher ein bisschen Interesse beimessen kann, wenn man sich mit ihm unterhält und seinen Kopf ein bisschen wachrüttelt (so wie Margo es getan hat), aber auf den ersten Blick hat er nicht wirklich eigene Träume und das macht ihn auch nicht unbedingt zu einem Abenteuer.

»Ich habe runtergesehen und gedacht, dass ich aus Plastik bin. Ich war so hohl und so falsch, nicht die anderen. Das Seltsame ist, die Leute lieben Plastikmädchen. Das war schon immer so. Plastikmädchen sind Projektionsflächen. Und schlimmer noch, mir hat es auch gefallen. Ich habe es darauf angelegt, verstehst du?«

20-margo-roth-spiegelmannMargo hingegen, das Mädchen, das nebenan wohnt, an der Schule allseits ehrfürchtig und respektvoll behandelt wird, hatte schon immer das Zeug dazu, etwas GROSSES zu vollbringen, das hat Quentin ganz richtig gesehen.

»Ja. Ich bin eine große Verfechterin der spontanen Groß- und Kleinschreibung. Die gängigen Regeln der Groß- und Kleinschreibung sind unfair den kleinen Worten gegenüber.«

Aber sie macht das auch von alleine und braucht tatsächlich nur ab und an jemanden, dem sie vertrauen kann, der sich um sie sorgt und sie liebt: Sie weiß, wer sie ist und versucht etwas zu ändern, schmiedet Pläne und kann auch ganz alleine einfach wegfahren, nur für sich selbst!

»Hoffentlich werden wir angehalten«, sagte er. »Ich würde gerne das Gesicht von dem Bullen aus Georgia sehen, wenn er einen schwarzen Mann in einem rassistischen Südstaaten-T-Shirt über einem schwarzen Kleid anhält.«

Qs Freunde sind beide recht amüsante Gestalten: Ben ist einer dieser typischen Außenseiter, der nichts dringender in seinem Leben braucht, als Ruhm und das Ansehen zu den Coolen zu gehören.

Auf Reise, stelle ich fest, lernt man eine Menge über sich selbst. Zum Beispiel hätte ich mich nie für einen Menschen gehalten, der bei hundertzwanzig Sachen quer durch South Carolina in eine fast leere Flasche Bluefin-Energydrink pinkeln würde – aber tatsächlich bin ich genau so ein Mensch. Außerdem wusste ich nicht, dass aus der Mischung von Urin und Bluefin dieses unglaublich leuchtende Türkis rauskommt. Es sieht so hübsch aus, dass ich am liebsten den Deckel auf die Flasche geschraubt und sie in den Getränkehalter geschraubt hätte, damit Lacey und Ben es auch sehen können, wenn sie aufwachen.
Radar findet die Idee nicht so gut. »Wenn du den Scheiß nicht sofort aus dem Fenster schmeißt, beende ich unsere elfjährige Freundschaft«, sagt er.
»Das ist kein Scheiß«, sage ich. »Es ist Urin.«
»Raus«, sagt er. Und so verschmutze ich die Umwelt. Im Seitenspiegel sehe ich, wie die Flasche auf dem Asphalt landet und zerplatzt wie eine Wasserbombe. Auch Radar hat es gesehen.
»O Gott«, sagt Radar. »Ich hoffe, das ist eins dieser traumatischen Erlebnisse, das so viel Schaden in meiner Psyche anrichten könnte, dass ich es sofort verdränge.«

Radar ist ein richtiger Nerd, der gerne in der Suchmaschine Omnictionary Einträge verfasst und verbessert und dessen Eltern die weltweit größte Sammlung an schwarzen Weihnachtsmännern besitzt. Und für ihren Roadtrip haben sie noch Lacey dabei, Margos Freundin, die sich von Bens überschwänglichen Temperament, wie typischerweise in fast allen Highschoolfilmen, nicht hat abschrecken lassen und ihm versprochen hat, sogar mit auf den Schulball zu gehen. Sie ist ein bisschen oberflächlich, müsste man meinen, aber sie sorgt sich ernsthaft um Margo und das ist schon bedeutend.

Ja, in dieser rissigen Dunkelheit kann ich sie beinahe richtig sehen.

Und das wirklich Großartigste an diesem Buch ist, wohl wie immer bei John Green, der Schreibstil, das geradezu poetisch-stilisierte Geschreibsel und die zum Teil irre witzigen Passagen.

Autor

John Green, geboren 1977, studierte Englische Literatur und vergleichende Religionswissenschaft. Für seine Jugendromane wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Printz-Award, dem Luchs, der CORINE und dem Deutschen Literaturpreis. John Green ist außerdem ein begeisterter Blogger , der gemeinsam mit seinem Bruder die >Nerdfighters< gegründet hat. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt er in Indianapolis.

Fazit: Wirklich genial geschrieben, nur eben nicht ganz so berührend und aufregend, wie es hätte sein sollen. Wer gerne Roadtrip- und typische Teenagerliebesgeschichten liest, ist hier gut bedient. Nur das Beste vom Besten ist es trotzdem nicht, so gesehen!

Plot:              ✪✪✪✪/5✪
Cover:          ✪✪✪✪/5✪
Charaktere:  ✪✪✪✪/5✪

Margo war kein Wunder. Sie war kein Abenteuer. Sie war kein zartes und kostbares Ding. Margo war ein ganz normaler Mensch.

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