Meer als nur Seen – eine Radiokampagne

Radiokampagne 6

Ich hab das ja jetzt schon öfters in einem Nebensatz fallen lassen, aber hier nochmal direkt ins Gesicht: ich mache Radio!

Für jeden, für den es sich jetzt nicht so spannend anhört: Radio ist genial, es macht unglaublich viel Spaß und lässt mich immer wieder aufs Neue tolle, spannende Momente erleben, von denen ich so viel lerne.

Ich mache mein FSJ Kultur bei einer Jugendradioredaktion und bin also in einer Zwischenposition zwischen Betreuer und Redaktionsmitglied. In Bayern werden öfters für alle jungen Radiomacher Workshops angeboten, bei denen wir von erfahrenen Redakteuren praktisch aus erster Hand unglaublich viel Know-How lernen.

Ich bin schon länger am journalistischen Bereich interessiert, aber erst seit Beginn meines FSJs bin ich mir sicher, dass Radio genau das ist, was ich später auch beruflich machen möchte. Denn Radio ist genial!

2016/17 ist das Wissenschaftsjahr mit dem Thema »Meere und Ozeane« und das Medienzentrum München hat infolge dessen eine Projektförderung für die »Radiokampagne Ozeane« beantragt. Die Kampagne wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und besteht aus drei Teilen.

Es ist ein Radioprojekt für das Jugendradio, entsprechend werden unsere Beiträge (die Großteils dem Ressort Wissenschaft zuzuordnen sind) auf sämtlichen Jugendradios Bayerns ausgesendet (Störfunk auf M94.5, Junge Talente auf EgoFm, SoFm auf der Bayernwelle, Hörarena auf der Inn-Salzach-Welle uvm.), aber auch beim BR.

Radiokampagne 3

Die Planer der Kampagne waren dann aber ein wenig skeptisch, ob junge Erwachsene aus Bayern wirklich das Meer als Beitragsthema entsprechend verarbeiten können, ohne wirklich das Meer vor Augen zu haben.

Genau deswegen waren wir am Meer. Am deutschen Meer sogar, an der Ostsee. Gerade eben, wenn dieser Text verfasst wird, sitzen wir schon wieder auf der Rückfahrt unseres Ausflugs ans andere Ende Deutschlands.


Teil 1 der Kampagne war ein zweitägiger Workshop in München, das Wochenende vor Ostern: wir haben von Susi Weichselbaumer, Wissenschaftsjournalistin beim BR so viel nochmal über die Radioarbeit gelernt, von dem ich tatsächlich eine ganze Menge noch nicht wusste. Wir haben außerdem bereits einige Themen erarbeitet und die Experten wurden kontaktiert.

Radiokampagne 1

Teil 2 ist eine Reise, eine Reise ans Meer, eine Reise an die Ostsee!
Wir sollten das Meer sehen und nebenbei noch den größten Museumskomplex über Meere in Deutschland ansehen, das Ozeaneum und das Meeresmuseum.
Von Donnerstag bis Sonntag sollte unsere Reise gehen, wobei sowohl Tag 1, als auch Tag 4 für die An- und Abreise notwendig sind, denn von Bayern fährst du schon mal 10 Stunden bis Stralsund.
Unsere Jugendherberge war am Ende der Welt, direkt am Meer, die Endstation der Linie 3 in Stralsund und nach der langen, langen Anreise waren wir auch furchtbar froh, als wir dann den Hof betreten haben und uns mit Bettdecken bewaffnet endlich in unser kleines Hüttchen begeben konnten. Vor dem Schlafengehen, obwohl jeder hundemüde war, musste das Meer noch vor dem Schlafengehen besichtigt werden – das Erlebnis!

Radiokampagne 2

Am Freitag waren wir den gesamten Tag unterwegs im Ozeaneum und im Meeresmuseum, haben eine Führung bekommen, Umfragen gemacht, Experten zu unseren Themen getroffen, Interviews geführt, Fotos gemacht und am Abend noch beim Asia ein tolles Buffet erlebt. Den Abend über wurde dann schon kräftig alles gesichert, benannt und weiter geplant.

Am Samstag war ursprünglich ein Besuch der Insel Hiddensee geplant, allerdings war die Anreise auf die Insel von Stralsund aus so ein ewig langes Geschraddel (das ist ein sympathisches Dialektwort für »umständlicher, ungemütlicher Reiseweg«), dass wir uns kurzerhand für das touristische Rügen entschieden haben.
Wir waren in Ostseebad Binz und haben dort erst in einem Fischrestaurant Mittag gegessen und im Anschluss noch den Strand und die Promenade für Atmosphärengeräusche und Umfragen genutzt. Zurück in der Jugendherberge wurde erst wegen dem wechselndem Wetter das gegrillte Essen in der Pfanne gebraten und drinnen verzehrt und im Anschluss haben wir noch weiter gearbeitet.

Radiokampagne 5

Der Abend und dann auch die Nacht wurde, ganz typisch für den letzten Abend vollkommen ausgekostet und mit lustigen Standardtanzeinlagen und leidenschaftlichen Alligatoah – Karaokeorgien beendet.

Nach der zu kurzen Nacht haben wir die Zimmer geräumt, uns noch ein Lunchpaket gepackt und dann auf dem Heimweg gemacht. Elf Stunden über Berlin und Leipzig, einfach weil ein Intercity sooo langsam fährt! Von München heißt es dann noch zwei Stunden mit dem Zug wieder zurück zu meinem Bett und dann ab ins Land der Träume, denn Schlaf ist auch für die Radioredakteure ein knappes Gut, das mit aller Kraft beschützt werden muss!

Teil 3 wird dann in zwei Wochen wieder ein Wochenende in München sein und dann werden die Beiträge produziert! Die Wochen danach wird ausgestrahlt.

Radiokampagne 7

Wenn ihr noch mehr darüber erfahren wollt, einfach vorbeischauen: Radiokampagne Ozeane – Meer als nur Seen.

Radio ist ein bisschen sehr nüchtern bisweilen, super technisch und manchmal auch sehr strikt, aber noch viel mehr ist es Magie, Spaß und ein Abenteuer!

Genauso sind die Ozeane: eine Anhäufung an Biologie und Wissenschaft, aber ebenso Kunst, ein Erlebnis und wohlige Gefühl von rauen Sommernächten.

Tom Chaplin: Quicksand

But if you crash land in the quicksand
I will pick you up, I’ll pull you out
And if the world shakes
Your brittle heart breaks
We will patch it up, we’ll work it out

Tom Chaplin – der Sänger von Keane hat im letzten Jahr ein Soloalbum veröffentlicht, »The Wave« und dabei einige Songs geschaffen, die es auch in mein Herz geschafft haben.

Thomas Oliver Chaplin, für die meisten als Tom Chaplin bekannt wurde 1979 in Hastings, Großbritannien geboren und ist heute am besten bekannt für seine Rolle als Sänger der Britpop-Rock-Band »Keane«.

Da Chaplins Vater der Direktor der Vinehall School in Robertsbridge war, hat er natürlich diese Schule besucht und dort auch seine Bandkollegen und Freunde getroffen. Während seiner Schulzeit hat er nicht nur im Chor mitgesungen, sondern auch noch beim Schultheater mitgespielt.

Er hat 2011 seine Freundin geheiratet und 2014 eine Tochter bekommen.
Obwohl er seine früheren Drogenprobleme durch Klinikaufenthalte in den Griff bekommen hat, gab er zu, während der Produktion des Soloalbums 2015 aufgrund von Angst und Druck wieder zu den Drogen gegriffen zu haben. Durch einen Psychologen hat er sich aber, laut eigenen Aussagen wieder erholt. Künstler!

Im Januar 2016 hat er in Los Angeles begonnen das Soloalbum aufzunehmen und im Juli hat er es angekündigt, erschienen ist es endgültig am 14. Oktober 2016.
Die beiden Titel »Hardened Heart« und »Quicksilver« erschienen bereits früher.

Mit seinem Soloalbum ist Chaplin zuerst 2016 in Großbritannien an acht verschiedenen Orten aufgetreten. Für 2017 ist eine dreiteilige Tour für die USA/Kanada, für Europa und nochmal für Großbritannien geplant.

Quicksand ist die achte Single auf seinem Soloalbum »The Wave« und wurde noch vor Albumrelease am 26. August 2016 veröffentlicht.

Das Musikalbum hat Michael Baldwin produziert und er beschreibt das Video als Metapher des Songs.
Der Kreis steht für den inneren Kampf bei bestimmten Situationen. Es zeigt, dass man ganz gleich, mit was man zu kämpfen hat, immer jemand da ist, der dir helfen kann.

I love the classic movies from the 80s that have kids as the main protagonist (ET, Stand By Me, Goonies etc) and they were the main influences and references for this film.

Chaplin beschreibt den Song als Brief an seine Tochter, in dem er ihr erklärt, dass das Leben Hochs und Tiefs hat und sie trotzdem nicht alleine ist, weil er immer für sie da sein wird.

Durch seine Drogensucht hätte er sich beinahe alles kaputt gemacht, doch nachdem seine Tochter geboren war und er Vater wurde, hat sich sein Wertgefühl und seine Einstellung zum Leben grundsätzlich geändert. Im Lied wollte er nicht auf die Tränendrüse drücken, um alles perfekt zu machen, sondern das Leben darstellen, wie es wirklich ist.

Love’s gonna leave you broken
Time’s gonna work you over
You get up, you get up
You keep rolling on
Life’s gonna bring you glory
But there’s another side to the story
You get up and suck it up
You keep rolling on

Kennt ihr Tom Chaplin? Und Keane? Kennt ihr das neue Album? Wie findet ihr das Lied? Wie findet ihr seine Stimme? Ist das Video passend? Was empfindet ihr? Kennt ihr das Fraggles Intro? – Lasst es mich wissen!

#the literary mixtape vol 01. »Die Bücherdiebin«

Lieder erinnern uns an etwas – immer! Sei es an den ersten Moment, als wir es gehört haben, an eine ganz bestimmte Person, an diese eine Party, den einen Geruch, eben jenes Gefühl!

Ich liebe Mixtapes und da ich leider nunmal mittlerweile nicht mehr befähigt bin, tolle Lieder auf eine Kasette für meine Freunde zu spielen, bin ich zu Mixcds übergegangen und da kam die Idee:

[Die Person, die eigentlich immer für richtig geniale Mixtapes verantwortlich ist, ist wordbuzZZ und genau deswegen müsst (!) ihr da vorbeischauen, bevor ihr hier weiter scrollt! Das neuste Werk ist für Ostern.]

The Literary Mixtape

Volume 01: Die Bücherdiebin von Markus Zusak

#1 Pocahontas: Colours Of The Wind
#2 Foreigner: Cold As Ice
#3 The Cranberries: Ode To My Family
#4 Greg Laswell: Comes And Goes (In Waves)
#5 The Beatles: With A Little Help From My Friends
#6 Monsters Calling Home: Growing Up
#7 Katzenjammer: A Kiss Before You Go
#8 Pixies: Dead

Hier ganz problemlos als YouTube-Playlist, zum Anhören und dabei an die Saumenschen denken, den Jungen mit dem Zitronenhaar und den Erzähler der Geschichte.

Da ich kein großer Fan von YouTube in Kombination seiner Playlisterstellungsfunktion bin, hab ich die gesamte Playlist auch noch auf 8tracks hochgeladen und ihr könnt sie problemlos anhören – einfach mit google oder facebook anmelden, wenn ihr noch nicht dabei seid.

Gibt die Playlist gut den Kern der Geschichte wider? Was sagt sie euch? Habt ihr »Die Bücherdiebin« von Markus Zusak überhaupt gelesen? Wie fandet ihr das Buch? Was fandet ihr besonders traurig? Was besonders schön? Wie findet ihr die Idee? – Lasst es mich wissen!

Hazel Grace – it’s a metaphor!

Kennt ihr das noch? Wie sie damals förmlich ausgerastet sind, wenn jemand diesen einen Satz gesagt hat und jeder »The Faults in Our Stars« gelesen hat – kennt ihr das noch?

Ich war damals in der 9.Klasse, als ich das erste Mal dieses heiß gelobte Buch in den Händen gehalten habe. Es war Sommer und warm, das Ende des Schuljahrs war nah und ich hatte ein einwöchiges Praktikum in einer privaten Buchhandlung und am Ende hab ich genau dieses Buch geschenkt bekommen bzw. ich durfte mir eins aussuchen und hab mich dafür entschieden. Den gleichen Nachmittag und den darauffolgenden Tag hab ich damit verbracht dieses Buch im Garten zu lesen und mich dabei so richtig in die Hauptfiguren verknallt!

Hazel Grace Lancaster – sarkastisch, intelligent und ein bisschen melancholisch.

Die Hauptfigur von John Greens Bestseller ist eine belesene junge Frau, die manchmal unglaublich trocken sein kann.
Aber wenn mit 13 Jahren Schilddrüsenkrebs bei dir festgestellt wird und dann – weil man hat ja noch nicht genug zu tragen hat – auch noch Metastasen in die Lunge kriechen und du nur noch mit Philipp der Sauerstoffflasche leben kannst – dann kannst du ja nur trocken sein. Hält man das anders überhaupt aus?

86 Hazel Grace LancasterHazel Grace Lancaster – ihres Zeichens 17 Jahre alt hat kurze dunkelbraune Haare , einen Bubischnitt – laut eigenen Aussagen typisch für Menschen, die sich von einer Chemotherapie erholen. Immer unterwegs mit Sauerstoffflasche und Schlauch unter der Nase, mit grünen Augen und süßen chubby Wangen.

»Einsame, tendenziell pädophile Schaukel sehnt sich nach Kinderpopos.«, sagte ich.
Er lachte. »Deswegen.«
»Was?«»Deswegen mag ich dich. Ist dir klar, wie selten man einem scharfen Mädchen begegnet, das das Wort pädophil in seine adjektivischen Bedeutung korrekt verwenden kann? Du bist so vertieft darin, du zu sein, dass du keine Ahnung hast, wie absolut nie da gewesen du bist.«
– »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« von John Green, S. 116

85 Hazel Grace LancasterAußerdem trägt sie gerne Jeans und Chucks und ist bisweilen ein bisschen depressiv, denn das ist schließlich eine Nebenwirkung von Krebs.
Wohl eher vom Sterben, stellt uns Hazel jetzt richtig und ja da hat sie recht.

Hazel ist sarkastisch, nüchtern und realistisch auf der einen Seite, aber kann auch sehr leidenschaftlich sein, wenn sie von ihrem Lieblingsbuch redet.
Denn Peter von Houten hat etwas geschrieben, das so genau widergibt, wie man sich fühlt, wenn man mit 13 Jahren an Krebs erkrankt. In Hazels Augen sind Krebsbücher immer Mist, weil sie einfach nicht realistisch vermitteln, wie es nunmal ist, die Diagnose Krebs zu bekommen. Doch Peter van Houtens Roman »Herrschaftliches Leiden« hat Hazel so sehr zugesagt, dass sie es schon mehrmals gelesen hat und es auch immer wieder gerne tut., denn er hat beschrieben wie es ist zu sterben, ohne wirklich zu sterben.

Hazel Grace hat eine starke Meinung, kann zu fast allen Sachen dieser Welt etwas sagen und es klingt nie kopiert oder nachgeplappert.
Sie hat, obwohl das Leben bis dato noch nicht wirklich fair zu ihr war, ein so großes Herz: sie ist enorm darum bemüht, niemanden zu verletzen oder zumindest so wenig Menschen wie möglich zu verletzen und deswegen möchte sie nicht so viel Zeit mit anderen Menschen verbringen, nicht dass es dann ganz schnell zu Ende geht und diese Menschen dann getroffen werden von den Splittern der Grante, als die sie sich sieht.

Anders sieht das natürlich aus bei ihren Eltern, bei denen sie ja nunmal fast keine andere Wahl hat. Hazels Eltern bemühen sich so verdammt darum, dass ihre Tochter leben kann und sie selbst sein kann und sein kann.
Das sind wirkliche Terminator-Eltern!
Hazel sagt, dass es nur eine Sache gibt, die schlimmer ist, als als Kind die Diagnose Krebs zu bekommen und das ist, wenn dein Kind die Diagnose Krebs bekommt. Genau das machen ihre Eltern durch. Ihre Mutter ist besser informiert, als so mancher Arzt und ist im Grunde eine Vollpflegekraft für ihre Tochter. Sie möchte, dass ihre Tochter weiter kämpft und ist bisweilen auch entmutigt, wenn sie sieht, dass ihre Tochter nur noch passiv auf die Mutation einschlägt.

»Was noch? Sie ist wunderschön. Man wird einfach nicht müde, sie anzusehen. Man hat nie Angst, dass sie vielleicht schlauer ist, als man selbst: Man weiß einfach, dass sie es ist. Sie ist lustig, ohne je gemein zu sein. Ich habe so ein Glück, sie zu lieben, Van Houten. Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, alter Mann, aber man kann ein bisschen mitbestimmen, von wem. Ich bin glücklich mit meiner Wahl. Ich hoffe, sie auch.«
Ich auch Augustus.
Ich auch.

Diese Passivität und Lethargie hat ihre Mutter auch schlussendlich dazu bewegt, dass sie Hazel zur Selbsthilfegruppe schickt, im Herzen Jesu, bei der sie dann auch den einzig wahren Augustus Waters kennenlernt.
Augustus ist attraktiv und auch interessant für Hazel, aber auch wie bei anderen Menschen, möchte sie nicht, dass er verletzt wird und hält ihn deswegen auf Abstand.

Mit Augustus kann sie reden, bis tief in die Nacht – über Bücher, Musik, Filme und die Welt. Zwischen den beiden ist nichts unangenehmes, kein Durck – kein Drama.

Hazel ist grundsätzlich ziemlich introvertiert, aber auch abgeklärt und genau das ist ihr Selbstbewusstsein. Sieist stolz darauf, nicht zu wissen, was cool ist.

Hazel Grace Lancaster, lange Zeit eine meiner Lieblingsprotagonistinnen aus dem Contemporarygenre – sarkastisch, nüchtern und warmherzig.

Böse Zungen sagen jetzt, dass dieses Buch überhypt wurde, nur zwei depressiv sarkastische, krebskranke Kinder pseudotiefsinnige Gespräche führen und SickLit grauenvoll überdramatisiert ist.

Ja, ja und ja. Aber »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« von John Green hat gezeigt, dass SickLit nicht überdramatisiert sein muss, sondern auch ironisch und verzerrt sein kann, wie das Leben eben. Gus und Hazel sind natürlich pseudotiefsinnig, schließlich sind sie 17/18 und haben beide schon dem Tod ins Auge gesehen, aber auch der anderen Seite sind sie auch einfach nur tiefsinnig und das pseudo können wir getrost weglassen.
Der Hype war da, aber irgendwo auch gerechtfertigt.
Ich hab nicht geweint, aber war berührt, von solch einem Leben und von einer Liebe, die sich natürlich anfühlt für eine Buchliebesgeschichte.

Wie fandet ihr »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«? Habt ihr es überhaupt gelesen? Wie empfindet ihr Hazel? Ist sie euch sympathisch? Was haltet ihr von sarkastischen Hauptfiguren? Und wie findet ihr SickLit? – Lasst es mich wissen!

Stephen Davies – Blood & Ink (Die Bücher von Timbuktu): eine Rezension

52 Blood and InkAutor Stephen Davies
Übersetzerin Katharina Diestelmeier
Titel Blood & Ink: Die Bücher von Timbuktu
Hardcover/Softcover Ausgabe
Seitenzahl  288 Seiten
Verlag Aladin
ISBN  3848920727
Preis 14,95 € bei amazon
Genre Contemporary, Rebellion, Lebenslust, Romance
Erschienen 28. Juli 2016

Inhalt

Kadija ist ein junges Mädchen aus Timbuktu mit einer scharfen Zunge und viel Selbstbewusstsein. Sie ist die Sängerin einer Band und telefoniert gerne nachts lange mit ihrer besten Freundin. Als Timbuktu von den »Verteidigern des Glaubens« angegriffen und übernommen wird, ist Kadi ganz vorne dabei die wertvollen Schriftrollen mit Geschichten aus aller Welt in Sicherheit zu bringen.

Ali liebt Allah und hat ein großes Problem damit, wenn etwas nicht haram (also im Sinne von rein und nach dem Koran) ist. Eigentlich ist er nur ein Hirtenjunge, der unter Rotbart, dem Führer der »Verteidiger des Glaubens« verinnerlicht hat, dass alle Ungläubigen streng bestraft werden müssen und er ein Ninja ist, der hilft, das alles auch eingehalten wird.

Aber der liebe Ali hat auch Struggle, besonders wenn er die bezaubernde Kadi wirklich bezaubernd findet, obwohl er ziemlich genau weiß, dass sie illegale Sachen macht und im Koran steht, dass Männer und Frauen nicht zusammen alleine sein sollen…

Meine Meinung

Dieses Buch ist das einzige Buch, das ich auf der Leipziger Buchmesse erstanden habe, einfach weil es mich wirklich angesprochen hat, aus dem Bauch heraus.

Es ist schmutzig und schemenhaft, hat den Titel in Krakelschrift notiert und die Oberfläche ist so wunderbar rau und robust. Hat wirklich Charakter das Buch!
Aber ich hab es nicht unbedingt deswegen aus dem Regal gezogen, vielmehr war es ein Gefühl, obwohl ich die Jugendbücher beim Carlsenverlag immer so semigut finde (das ist dann schon viel in die Richtung »Obsidian« und das ist nicht meine Präferenz). Dieses Gefühl, etwas wildes in den Händen zu halten.

Im Endeffekt habe ich noch am Sonntagabend, nachdem ich wieder von der Buchmesse zurück war bereits 100 Seiten gelesen und die Woche darauf wurde es dann schneller als man schauen konnte verschlungen. Aber es sind nun mal auch nur knapp 300 Seiten und ziemlich gut geschrieben und sehr turbulent.

Karte

»Blood & Ink« spiegelt das Leben zweier Jugendlicher wider, die bei der Übernahme der Stadt Timbuktu durch die »Verteidiger des Glaubens« ganz unterschiedliche Ausgangspunkte haben und es dementsprechend auch ganz unterschiedlich erleben.
Die Geschichte erzählt von der Übernahme, schildert die strenge Führung der Glaubenskämpfer, die Gewalt, das offene Aufbegehren und den heimlichen Widerstand der Bevölkerung von Timbuktu – gut recherchiert, wie es in 2012 wirklich in Timbuktu war.
Doch wir haben es hier nicht mit einer Art Dokumentation zu tun, sondern vielmehr einer Geschichte aus dem Herzen der wahren Begebenheit. Eine rasende Geschichte mit viel brennenden und brechenden Momenten, mit viel Widersprüchen und Erkenntnis.
Eine fiktive Geschichte über die Liebe in der Familie, bei Freunden, zu Geschichten und die Liebe zu völlig Fremden. Eine Geschichte in der Wirklichkeit über machthungrige, gewalttätige Menschen und über den ungebrochenen Geist von Menschen der Freiheit. Eine Geschichte über Religion und wie verschieden sie ist und gelebt werden kann, eine Geschichte für die verwirrten Geister unserer Zeit.

»Im März 2012 gab es einen Militärputsch in Mali. Der Präsident floh aus seinem Palast, das Land stürzte ins Chaos. Und Chaos bedeutet Verletzlichkeit. Die Tuareg-Rebellen sahen darin eine Gelegenheit, den Norden Malis zu erobern, um ihr glorreiches Land Azawad zu errichten. Die Verteidiger des Glaubens witterten die Chance, den Islamischen Staat zu errichten, von dem sie immer geträumt hatten. Beide Gruppen beschlossen zusammenzuarbeiten, um ihre Ziele zu erreichen.
Am 30. März nahmen sie Kidal ein.
Am 31. März überfielen sie Gao.
Am 1. April sammelten sich ihre Kämpfer in der Wüste nördlich von Timbuktu und machen sich zum Angriff bereit…«

Eine Geschichte, die die Wirklichkeit gut abbildet, was die äußeren Umstände angeht (meinem begrenzten Wissen nach) und dann eine fiktive Geschichte von zwei Teenagern dazu setzt, die etwas überwinden und das natürlichste (NICHT) tun, was man eben in solch einer Situation tut, einander vertrauen.

Kadija oder Kadi, wie sie von ihren Freunden genannt wird ist ein freiheitsliebender KadijaMensch, der gerne die Stimme erhebt, um zu genießen, was das Leben eben bietet. Sie singt in einer Band, liebt es zu tanzen und macht gerne Unsinn mit ihrer besten Freundin (die Freundschaft ist wirklich bezaubernd). Kadis Familie ist niedlich und so wunderschön eng miteinander. Ihr Vater ist ein kleiner Geschichtensammler und hat etwas Verschmitztes an sich, verdammt mutig, loyal und sturköpfig. Er hat des Öfteren damit zu kämpfen, dass Kadi tut was sie will und er ein sehr weiches Herz hat und seine Tochter über alles liebt, sodass er sie nicht einschränken kann in ihrem Leben.

Ali ist ein Junge aus Fulbe, als Ziegenhirte sehr geschickt und robust, aber auch leicht beeinflussbar, obwohl er ein Vielleser ist. Als er von seinen Eltern getrennt wird und zu den Ninjas der »Verteidiger des Glaubens« kommt, wo er einen neuen Namen aus dem Koran bekommt und ausgerechnet nach dem mutigsten Kämpfer benannt wird, da wird aus dem kleinen Ziegenhirten ein gläubiger junger Mann, der Fußball immer über alles liebte und jetzt überzeugt ist, dass der einzige Weg zum Paradies der Islamische Staat ist. Er betet viel, liest in den Schriften, würde sich wohl auch zum Märtyrer machen, wenn es soweit ist.

Als Timbuktu eingenommen ist und er wie alle anderen Ninjas durch die Stadt patrouilliert, trifft er auf Kadi und obwohl er sich selbst dafür hasst, übt sie etwas auf ihn aus und er versucht das mit aller Kraft zu überwinden, durch Gewalt durch das Erzeugen des Hasses auf ihn bei Kadi, durch Beten und durch unglaubliches Kämpfen mit dem eigenen Herzen.

AliAli verwandelt sich Stück für Stück wieder zu etwas, das er sein kann, ohne sich vollkommen aufgeben zu müssen, er erkennt, dass Glauben nicht immer so erdrückend sein muss, um wirklich wahrhaftig zu sein – eine unglaubliche Charakterentwicklung!

Einzig das etwas zu happy happy ending war schon ziemlich  weithergegriffen!
Außerdem sind 300 Seiten viel zu wenig, um diese bezaubernden Charaktere ganz auszuschöpfen und eine abgerundete Geschichte zu erzählen, die nicht zu schnell wirkt.

Die Schreibstil ist fließend, schnell, Metaphernreich.

Autor

Stephen Davies lebte für dreizehn Jahre unter den Fulani-Nomaden in Burkina Faso als Missionar und Englischlehrer. Während seiner Zeit dort schrieb er für »The Guardian Weekly« und »Sunday Times«. Davies ist Autor zahlreicher Kinderbücher, die in Westafrika spielen. Seit 2014 lebt er mit meiner Familie in London.

Fazit: Ein Buch, das mich wirklich wieder einmal aufgeweckt hat, einen Beigeschmack hinterlassen hat, der mich zwickt und gleichzeitig meine Sinne wieder einmal geschärft hat. Eine Geschichte für alle, die gerne von der Freiheit lesen, Spannung und witzige Wortgefechte mögen. Für alle, die gerne gegensätzliche Charaktere miteinander tanzen sehen.

Plot                       ✪✪✪✪/5✪
Cover                   ✪✪✪✪/5✪
Charaktere         ✪✪✪✪/5✪

Arcade Fire: We Exist

Arcade Fire, das ist wohl die Band über die ich richtig schön gestolpert bin und jetzt festhänge. Bei »We Exist« hat mich das Musikvideo zuerst gepackt, dann die Musik.

»But we exist
Daddy it’s true, I’m different from you
But tell me why they treat me like this?
If you turned away, what would I say«

Arcade Fire ist eine Indie-Rockband aus Kanada, Québec, die bereits zahlreiche Preise gewonnen haben.
Win Butler hatte 2000 nach einer Reise von Texas über New York bis nach Montreal alle Mitglieder der Band sozusagen »eingesammelt« und zwei Jahre später war dann die offizielle Gründung. Mit ihrem ersten Album »Funeral« haben sie gleicheinmal eingeschlagen wie eine Bombe. Seitdem hat die Band drei weitere Alben veröffentlicht und sie werden nicht nur von ihren Fans  gefeiert, sondern auch von vielen Menschen des öffentlichen Lebens.

Alle Bandmitglieder können mehr als ein Musikinstrument spielen und wenn sie live auftreten kommt es manchmal auch vor, dass mit allen möglichen Gegenständen, die auf der Bühne zu finden sind, Musik gemacht wird. Der Bandname »Arcade Fire« war eine Idee des Bandgründers und Leaders Win Butler, dem auf dem Internat, das er und sein kleiner Bruder Will (ebenfalls Bandmitglied) besucht haben, eine Geschichte erzählt wurde, in der jemand eine Arkade angezündet hat in Exeter. Nicht wirklich special, aber schon irgendwie passend für eine Indierockband – so richtig schön nichtssagend und trashig, hauptsache es klingt tiefsinnig.

»We Exist« wurde 2014 auf dem Album »Reflektor« veröffentlicht. Win Butler war gerade zum ersten Mal Vater geworden und hatte eine Unterhaltung mit einem jamaikanischen Jungen, der ihm geschildert hat, wie schwer er es hat, als homosexueller Junge auf Jamaika anerkannt zu werden.
Lyricsverse, wie »Daddy don’t turn away. I’m so scared.« hat er aus dieser Unterhaltung mitgenommen und »We Exist« geschaffen.

Das Lied ist schon sehr packend, aber das Musikvideo hat noch sehr viel mehr Emotionen zu bieten. Das Video zeigt eine junge Transgenderfrau (es ist Andrew Garfield, aber das spielt hier keine Rolle), die sich die Haare abrasiert, eine blonde Perücke aufsetzt und anzieht für einen Tanzabend. Sie trägt zerfetzte Jeansshorts und ein Bauchfreies Hemd, wie man es zum Line-Dance anzieht.
Der Regisseur Davide Wilson betonte in einem Interview, dass er das Styling genau so wollte, weil es nicht überfeminin wirken sollte, weil es ein riesiges Spektrum an verschiedenen Genderidentifikationen gibt – es ist nicht immer schwarz und weiß. Außerdem könnte es das erste Mal sein, dass die junge Frau sich so feminin in der Öffentlichkeit zeigt und es mit kleinen Schritten wagt, was vollkommen in Ordnung ist!
Im Verlauf des Videos geht die junge Frau in einen Club (dem Stil nach vermute ich eine Countrybar) und erntet viele abschätzige Blicke. Als ein junger Mann sie zum Tanz auffordet, ist sie sehr misstrauisch und nachdem mehrere Männer auf sie zukommen und dann anfangen sie zu verprügeln, ist das wohl gerechtfertigt. Der Club wird dunkler, die Schläger verschwinden und die junge Frau tanzt emotional geladen, sie möchte ausbrechen und ist gleichzeitig frustriert und schmerzerfüllt.

Laura Jane Grace, die Sängerin der Band »Transgender Against Me!« schrieb auf Twitter:

»Dear Arcade Fire, maybe when making a video for a song called ‚We Exist‘ you should get an actual ‚Trans‘ actor instead of Spider-Man?«

Der Song soll laut Arcade Fire speziell ein Lied für alle homosexuellen Jugendlichen in Jamaica sein, weil die Antigay-Kultur gerade in diesem Land ziemlich groß ist, das wird auch in der Musik gespiegelt und in vielen bekannten Liedern wird eine homophobe Botschaft gesendet – Gewalt gegen homosexuelle Jamaicaner ist keine Seltenheit!

Laut Win Butler wäre das Video ohne Andrew Garfield gar nicht entstanden:

»Once something gets on the Internet, it works its way into people’s lives in a way that I think is pretty powerful. For a gay kid in Jamaica to see the actor who played Spider-Man in that role is pretty damn powerful, in my opinion.«

Arcade Fire singt aus der Sicht eines Menschen, der anders ist als die anderen und entsprechend von den anderen angestarrt und gemieden wird, bzw. schlecht behandelt wird. Das lyrische Ich erklärt dem Vater, wie man leben kann, wenn man so behandelt wird und wie man es am besten aushält bzw. den anderen mit hocherhobenen Kopf zeigt, dass sie einen nicht brechen können und selbst wenn sie sich noch so oft wünschen, man würde nicht so sein und nicht sein, man existiert immer noch!

»What are you so afraid to lose?
Down on your knees
Begging us please
Praying that we don’t exist
We exist.«

Kennt ihr Arcade Fire? Wie findet ihr das Lied? Wie fühlt ihr euch, wenn ihr diese Worte hört? Wie empfindet ihr das Video? Stimmt ihr Laura Jane Grace zu oder seht ihr das ähnlich, wie Win Butler? Stimmen die Emotionen des Videos? Wie wichtig findet ihr Repräsentation? – Lasst es mich wissen!

Möpmöp, Itchy

Lyrics: Miley Cyrus – Pablow The Blowfish

How can I love someone I never touched?
You lived under the water, but I love you so much
You never been on land, and you never seen the sky
You don’t know what a cloud is, why does everything I love have to die?
They all wanted to see you be as big as you could be
But I couldn’t let that be
If I could do it again, I’d release you to sea
Cause I can’t bear to see
Something so wild just die in a tank

And Pablow the blowfish
I miss you so much
And Pablow the blowfish
I miss you so bad

On Saturday night, we all went out to eat
But I can never decide, so someone chose sushi
I got soup, and I ordered rice
But watching my friends eat my friends, ruined my appetite

Oh, Pablow the blowfish
If they only knew you like I do
They’d love you too
And Pablow the blowfish
I miss you so bad

I won’t forget, even one second we had
Cause you might be gone, but you could never be dead
I heard of a seahorse named Sadie
I heard she was quite the lady
Maybe you’ll find her and you could make babies
That’d be kind of crazy

If Pablow the blowfish
Found love deep in the sea
Then that would mean
Pablow the blowfish
Is better off than here with me

But Pablow the blowfish
I miss you so bad

Uh ja, das ist ein Song über einen Kugelfisch, über einen toten noch dazu! Ja, ein toter Kugelfisch!

Miley Cyrus hatte einen Kugelfisch mit dem bezaubernden Namen »Pablow« und nachdem er gestorben war, hat sie einen Song für ihn geschrieben. Das erste mal performed hat sie den Song auf dem Happy Hippie Festival und dabei ist sie so emotional geworden, dass sie das Lied fast nicht fertig spielen konnte vor Tränen.

Sie singt von ihrem Kugelfisch, den sie geliebt hat, obwohl sie ihn nie berührt hat, der nie das gesehen hat, was sie gesehen hat und den sie dennoch so geliebt hat.
Sie singt davon, dass sie – wenn sie es nocheinmal anders machen könnte – sie es anders machen würde. Sie würde ihn in die weiten Meere entlassen und nicht so etwas wunderschönes in einem Aquarium sterben lassen.

Sie erzählt von einem möglichen Leben des Kugelfisches mit anderen Meeresbewohnern und wieviel besser es ihm ergangen wäre, wenn sie sich nie getroffen hätten und er ein friedliches Leben im Meer hätte leben dürfen. Sie räumt ein, dass ihr Egoismus ihn wohl sein Leben gekostet hat, aber sie vermisst ihn unendlich.

Cyrus singt von dem Verlust ihres Haustieres und gleichzeitig kann man das aber auch auf jeglichen Verlust umlegen. Man muss auch gar nicht so weit gehen, die Interpretation nur auf den Verlust durch den Tod zu beschränken. Auch das Ende einer besonders engen Bindung kann Verlust bedeuten und damit auch das Ende einer einseitig starkemotionalen Beziehung, die für den anderen vielleicht sogar giftig war.

Klar ist nur, dass ganz gleich, dass es nun um einen Kugelfisch mit dem Namen »Pablow« geht, es immer noch ein hochemotionaler Song ist und vor allem wenn Miley den Song singt, wird alles das transportiert, was man wohl bei Verlust spürt. Oh holy so many feelings! PABLOW!

Kennt ihr Miley Cyrus‘ Lied? Wie findet ihr den Song? Wie findet ihr ihre Stimme? Wie ist der Auftritt insgesamt? Habt ihr auch schon Haustiere verloren, für die ihr manchmal gerne eure Liebe in einem Song verarbeiten wolltet? – Lasst es mich wissen!